Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Institut für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik


PersonenDittrich
  

o.Univ.Prof. Dr.
Marie-Agnes Dittrich

Biographie:

Studium der Mittleren und Neueren Geschichte und der Historischen und Systematischen Musikwissenschaft an der Universität Hamburg, Promotion zum Dr.phil. mit einer Arbeit über Harmonik und Sprachvertonung in Schuberts Liedern.

Seit 1993 o.Prof. für Formenlehre/Formanalyse an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Lehre:

Formenlehre/Formanalyse für Studierende der Studienrichtungen Komposition und Musiktheorie, Dirigieren, Tontechnik.

Unterrrichtskonzept:

Ziel des als Seminar mit gelegentlichen Vorlesungen verlaufenden Unterrichts in Analyse ist die Befähigung zur Teilnahme an einem Diskurs über die unterschiedlichen Bedingungen und Möglichkeiten musikalischer Interpretation. Da dieser Diskurs auch die Fragwürdigkeit tradierter und lehrbarer Formschemata oder bloßen Traditionsglaubens einschließt, baut der Unterricht, obwohl natürlich ein grundlegender Überblick über die Formbildungen (vorwiegend) europäischer Musik vermittelt werden muß, weniger auf theoretischen Entwürfen des 19. und früheren 20. Jahrhunderts auf (die oft von Schemata ausgehen); statt dessen soll die scheinbare Vertrautheit mit dem traditionellen Repertoire, durch die diese Musik auf uns ganz anders wirkt als auf die Zeitgenossen – wer empfindet heute noch Mozarts ‚widerwärtige Styllosigkeit‘ oder die ‚Anarchie‘ in Schuberts Musik? –, in Frage gestellt werden. Zeitgenössische Quellen (wie Kompositionslehren, musikästhetische Schriften, Aufsätze in Fachzeitschriften, Konzertkritiken) und wissenschaftliche Sekundärliteratur sollen verdeutlichen, was die Zeitgenossen von einer bestimmten Form erwartet haben – und wie sich jedes Einzelwerk von dieser Erwartung abhebt.

In ‚Analyse‘ 1-4 (bisher ‚Formenlehre‘) liegt darüberhinaus besonderes Gewicht auf der Fähigkeit, über Musik kompetent zu sprechen und zu schreiben, auch wegen der Vorbereitung auf das 1. Diplom (bisher schriftliche Analyse in Form einer 5-stündigen Klausur, meist eines Sonatensatzes von Haydn, Mozart oder Beethoven). Die Semesterprüfungen sind entweder mündliche (ca. 20 Minuten) oder schriftliche Analysen (in Form einer Hausarbeit).

In den folgenden vier Semestern (bisher ‚Formanalyse‘) wird größeres Gewicht auf die selbständige Auseinandersetzung mit Musik oder der Literatur über sie gelegt; dazu gehören die Erarbeitung jeweils adäquater Analysetechniken und die Befähigung zur Beschaffung und Beurteilung von Sekundärliteratur. Teil des Unterrichts ist daher auch die Vermittlung wissenschaftlicher Methoden und Arbeitstechniken. Der Stoff ist zunächst eher chronologisch angeordnet (bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) und konzentriert sich dann auf Werke, in denen die traditionellen (und meist leichter analysierbaren) Parameter nicht mehr im Vordergrund stehen und für die daher individuelle Analysetechniken entwickelt werden müssen. In diesen Semestern fertigen die StudentInnen eigene Referate zu selbst gewählten Themen an, in denen auch unterschiedliche Formen der Präsentation – möglichst in Bezug auf die eigene spätere Berufstätigkeit – geübt werden.

In den Analyseklassen für MusiktheoretikerInnen werden ausgewählte Themen, auch auf Vorschlag der StudentInnen, eingehender behandelt. Auch die entstehenden Abschlußarbeiten werden, soweit sie Fragen allgemeinen Interesses berühren, gemeinsam besprochen.

Publikationen:

  • Der ‚Ohren zerreissende Fortschritt‘: zur neuen Harmonik in Schuberts Liedern, in: Schubert, der Fortschrittliche?, hg. von E. W. Partsch, Tutzing 1989 (= Veröffentlichungen des Internationalen Franz Schubert Instituts 4), S. 55-72.
  • Hamburg. Laaber 1990 (= Musikstädte der Welt 2, hg. von Silke Leopold).
  • Harmonik und Sprachvertonung in Schuberts Liedern. Hamburg 1991(= Hamburger Beiträge zur Musikwissenschaft 38, hg. von Constantin Floros).
  • Artikel Caccini, Carissimi, Cavalieri und Peri im Metzler-Komponistenlexikon, hg. von Horst Weber. Stuttgart-Weimar 1992.
  • Harmonische Rückungen in Haydns und Mozarts Klaviersonaten, in: Bericht über den VII. Internationalen Gewandhaus-Symposium „Wolfgang Amadeus Mozart“, Leipzig, Oktober 1991 (= Dokumente zur Gewandhaus-Geschichte 9), Leipzig 1993, S. 41-46.
  • Ein ‚Blick in das gelobte Land des späteren Schubertschen Liedes‘? Zur Harmonik in Mozarts Liedern, in: Internationaler musikwissenschaftlicher Kongreß zum Mozartjahr 1991 Baden-Wien, Bericht im Auftrag der österreichischen Gesellschaft für Musik hrsg. von Ingrid Fuchs, Tutzing 1993, Band 2, S. 537-554
  • John Christopher Smiths ‚Paradise Lost‘ nach Milton – epische Dramatik, dramatische Poesie und das Problem ihrer Vertonung, in: Musik als Text. Bericht über den Internationalen Kongreß der Gesellschaft für Musikforschung Freiburg im Breisgau 1993 / Musikwissenschaftliches Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin. Hrsg. von Hermann Danuser und Tobias Plebuch. Band 1: Hauptreferate, Symposien, Kolloquien. Bärenreiter, Kassel, Basel, London usw. 1998, S. 124-133.
  • Orgelbau und Orgelmusik in Norddeutschland, in: Die Arp Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg, hg. von Heimo Reinitzer, Hamburg 1995, S. 30-66.
  • Charles Ives, Three improvisations for piano, in: Pluralismus analytischer Methoden, hg. von Gottfried Scholz, Frankfurt am Main, Berlin, Bern usw. 1996 (= Publikationen des Instituts für Musikanalytik Wien 3), S. 171-178.
  • Artikel Harmonik, in: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Für das Anton Bruckner Institut Linz herg. von Uwe Harten in Zusammenarbeit mit Renate Grasberger, Andrea Harrandt, Elisabeth Maier, Erich Wolfgang Partsch, Salzburg und Wien (Residenz Verlag) 1996, S. 189-191.
  • Dichterleid und Damenzank: Zu Salieris ‚Prima la musica e poi le parole‘ und Mozarts Schauspieldirektor, in: Zeit in der Musik – Musik in der Zeit. Bericht über den 3. Musiktheoriekongreß 10.-12. Mai 1996 Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien, hrsg. von Diether de la Motte, Peter Lang, Frankfurt am Main, Berlin, Bern usw. 1997, ISBN 3-631-30194-4, S. 90-104.
  • Political Correctness, in: Musica 50/4 (1996), S. 268-271.
  • Für Menschenohren sind es Harmonien. Die Lieder, in: Schubert-Handbuch, hg. von Walther Dürr und Andreas Krause, Kassel usw. 1997 (Bärenreiter/Metzler), S. 141-267.
  • Alte Musik im 19. Jahrhundert. Symposion der Schola Cantorum in Basel (5.-7. Mai 1997); Kongreßbericht in der ÖMZ 57/8 (1977), S. 46.
  • Franz Schubert, in: Kammermusikführer, hrsg. von Ingeborg Allihn, Bärenreiter/Metzler Kassel/Stuttgart,1998, ISBN3-476-00980-7 Metzler, 3-7618-2006-2 Bärenreiter, S. 553-574
  • Kein grollender Titan – Franz Schubert, der Österreicher, in: Das Andere. Eine Spurensuche in der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, hrsg. von Annette Kreutziger-Herr (= Hamburger Jb für Musikwissenschaft 15, hg. vom Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg). Peter Lang, Frankfurt/M., Berlin, Bern usw, ISBN 3-631-31984-3, 1998, S. 191-201.
  • „Jenem imponierenden Heroismus entzogen – Franz Schubert und das Österreich-Bild nach Königgrätz, in: Schubert-Jahrbuch 1999. Bericht über den internationalen Schubert-Kongreß Duisburg 1997. Franz Schubert-Werk und Rezeption. Teil III: Ästhetik, Rezeption und Methodenfragen. Hg. von Dietrich Berke, Walther Dürr, Walburga Litschauer und Christiane Schumann. Duisburg 2001, S. 3-21.
  • Tradition und Innovation im Klavierquintett f-Moll op. 34, in: Die Kammermusik von Johannes Brahms. Tradition und Innovation. Bericht über die Tagung Wien 1997, hg. von Gernot Gruber, (= Schriften zur musikalischen Hermeneutik, hg. von Gernot Gruber und Siegfried Mauser, Band 8), S. 175-185.
  • 8. Symphonie in C-Dur: Werkbetrachtung und Essay, in: Franz Schuberts Symphonien. Entstehung, Deutung, Wirkung. Im Auftrag des bayerischen Rundfunks hrsg. von Renate Ulm. dtv/Bärenreiter Kassel 2000, S. 216-224 und S. 228-234.
  • Evangelist und Sozialist. Bach 1950 in Leipzig, in: Ringvorlesung Denk Mal BACH, hrsg. von Cornelia Szabó-Knotik, Wien 2001 (= Erträge der Lehre 3), S. 55-64.
  • Artikel Johann Jakob Froberger: Libro quarto di Toccate, Allemande; Georg Philipp Telemann: Trauer-Musik für Karl VII, Carl Maria v. Weber, Abu Hassan, in: Musikerhandschriften von Heinrich Schütz bis Wolfgang Rihm, hrsg. von Günter Brosche, Stuttgart (Reclam), 2002.
  • Das Maß der Kenntnissse, und die Gränzen der Ausbildung – die Weltanschauung der Restauration und das Rollenbild des Lehrers in österreichischen Schulbüchern und Lehrerinstruktionen, in: Schubert und das Biedermeier. Beiträge zur Musik des frühen 19. Jahrhunderts. Festschrift für Walther Dürr zum 70. Geburtstag hrsg. von Michael Kube, Werner Aderhold und Walburga Litschauer. Bärenreiter, Kassel, Basel, London usw. 2002, ISBN 3-7618-1523-9, S. 161-171.
  • The Lieder of Schubert, in: The Cambridge Companion to the Lied, hrsg. von James Parsons, Cambridge University Press 2004, S. 85-100.
  • Die Klaviermusik, in: Mozart-Handbuch, hrsg. von Silke Leopold unter Mitarbeit von Jutta Schmoll-Barthel und Sara Jeffe, Bärenreiter/Metzler, Kassel, Stuttgart, Weimar 2005, S. 482-559.
  • Artikel Franz Schubert, in: Das Beethoven-Lexikon, hrsg. von Heinz von Loesch und Claus Raab (= Das Beethoven-Handbuch, hrsg. von Albrecht Riethmüller, Band 6), Laaber-Verlag, Laaber 2008, S. 663-665.
  • Kannes Mozart (Wien 1821) und das Postulat der musikalischen Einheit, in: Musiktheorie im Kontext. 5. Kongress der Gesellschaft für Musiktheorie (Hamburg 2005), hrsg. von Jan Sprick, Philipp Jan, Reinhard Bahr, Michael von Troschke (= Musik und. Schriftenreihe der Hochschule für Musik und Theater Hamburg), Weidler-Verlag Berlin Neue Folge, Band 9 (2008), S. 17-29.
  • Evangelist ali socialist: Johann Sebastian Bach v hladni vojni in drugih obdobjih nacionalne negotovosti (Evangelist or Socialist: Johann Sebastian Bach in the Cold War and Other Periods of National Uncertainty), in: Muzikološki Zbornik (Musicological Annual) 43/2 (Ljubljana 2007), S. 277-284.
  • ›Teufelsmühle‹ und ›Omnibus‹, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie 4/1–2 (2007), www.gmth.de/www/zeitschrift.php
  • Rezeption von Schuberts Werken nach Gattungen? Zur Problematik der Analyse als Werkzeug der Historiographie zwischen Fakten- und Erinnerungsgeschichte, in: Michael Kube, Walburga Litschauer, Gernot Gruber (Hrsg): Schubert und die Nachwelt. I. Internationale Arbeitstagung zur Schubert-Rezeption Wien 2003, Kongreßbericht. München-Salzburg 2007, S. 99-109.
  • Die Plausibilität des fehlenden Zusammenhangs. Zu einigen Eichendorff-Liedern von Schumann, in: Von Volkston und Romantik. Des Knaben Wunderhorn in der Musik. Herausgegeben von Antje Tumat und dem Internationalen Musikfestival Heidelberger Frühling unter Mitarbeit von Caren Benischek gefördert von der Hampsong Foundation. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2008, S. 125-140.
  • Analyse und musikalische „Logik“: ein Plädoyer für den Mut zur Lücke, in: Matthias Schmidt (Hg.): Kunst lernen. Zur Vermittlung musikpädagogischer Meisterkompositionen des 20. Jahrhunderts. Regensburg (ConBrio) 2008, S. 125-136
  • Grundwortschatz Musik. 55 Begriffe, die man kennen sollte (= Bärenreiter Basiswissen, Band 1). Kassel/Basel usw. (Bärenreiter) 2008.
  • Artikel Gattung – Sinfonie, Männlichkeitsbilder – Held/Heroismus, in: Gender-Handbuch, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Bärenreiter/Metzler, Kassel 2010, S. 232-233 bzw. S. 353-354.
  • Marie-Agnes Dittrich, Reinhard Kapp (Hrsg.): Gibt es sie noch: ‚die‘ Musik? Vorüberlegungen zu einer Allgemeinen Musiklehre. Wien (Mille Tre) 2011 (= Anklänge 2010, Wiener Jahrbuch für Musikwissenschaft, hrsg. von Cornelia Szabó-Knotik und Markus Grassl).
  • Reply to Kevin Korsyn, “The Aging of the New Musicology” (including Remarks on Musicology and “Musiktheorie” in Germany and Austria in Times of the Bologna Process and of Knowledge Evaluation), in: Approaches to Music Research. Between Practice and Epistomology. Hrsg. von Leon Stefanija und Nico Schüler, Frankfurt am Main (Peter Lang) 2011, S. 25-30.
  • Musikalische Formen. 20 Möglichkeiten, die man kennen sollte (= Bärenreiter Basiswissen). Kassel/Basel (Bärenreiter) 2011.
  • Marie-Agnes Dittrich, Martin Eybl, Reinhard Kapp (Hrsg.): Zyklus und Prozess. Joseph Haydn und die Zeit. Wien (Böhlau) 2012.

Sonstiges:

  • Dozentin beim Vienna Program of the Midwest Consortium for Study Abroad und Northwest Council for Study Abroad (USA) in Wien:
    - Organisation und Kursleitung Music of Baroque Vienna: The Splendour of the Imperial Court and of the „Ecclesia triumphans“ (Spring Semesters 1997-2005)
    - Mitarbeit bei den Kursen Fin de siècle und 19th Century Habsburg Monarchy (seit 1997).
  • Vorlesung bei der Kinderuni 2006: „Märchenstunde mit musikalischen Monstern“
  • Vorlesung bei der Kinderuni 2007: „Von Engeln und Teufeln – Schöne und schrecklich schöne Musik“
  • Meisterkurs „Analysemethoden“ im Rahmen der Wiener Meisterkurse 2009, Institut für das Studium der Wiener Klassik, Künstlerische Leitung: Günther Theuring, 22.-24. Juli 2009.
  • Ferner publizistische Tätigkeit (diverse Vorträge, Rezensionen, Rundfunksendungen (SFB, NDR, BBC) Programmhefte (u.a. für Konzerte des SFB, NDR, BR), CD-Texte (Deutsche Grammophon, Teldec u.a.) usw.

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